Evangelisches Dekanat Mainz entwickelt Gebäudebestand weiter Synode entscheidet über künftige Einstufung der Gebäude

Das Evangelische Dekanat Mainz stellt die Weichen für die zukünftige Entwicklung seines Gebäudebestands. Die Dekanatssynode beschließt die Einteilung der kirchlichen Gebäude in drei Kategorien. Damit wird festgelegt, in welchem Umfang die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Unterhaltung der jeweiligen Gebäude künftig finanziell unterstützt.

Hinter dem Prozess stehen finanzielle, strukturelle und ökologische Gründe. Die EKHN hat ihre Dekanate dazu aufgefordert, den Gebäudebestand angesichts zurückgehender Mitgliederzahlen und begrenzter finanzieller Mittel um 20 Prozent zu reduzieren. „Das ist zunächst mal eine Einsparauflage. Aber viel wichtiger ist die Anpassung des Gebäudebestands: Die Zahl der Mitglieder ist nicht mehr so hoch wie zu dem Zeitpunkt, als viele Gebäude errichtet wurden“, sagt Dekan Andreas Klodt, Evangelisches Dekanat Mainz. Zugleich entsprächen nicht alle Gebäude heutigen Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und baulichen Standard. Ziel sei es, den Gebäudebestand langfristig an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und zugleich kirchliche Orte für Gottesdienst, Begegnung und Gemeindeleben im Mainzer Stadtgebiet zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Für das Evangelische Dekanat Mainz bedeutet die neue Einstufung konkret, dass einzelne Gebäude künftig keine oder geringere gesamtkirchliche Zuschüsse für die Bauunterhaltung erhalten. Bei Gebäuden der Kategorie B konzentriert sich die Unterstützung im Wesentlichen auf „Dach und Fach“, während weitergehende Maßnahmen von den Gemeinden selbst finanziert werden müssen. Für Gebäude der Kategorie C entfallen die gesamtkirchlichen Zahlungen komplett. Die Ortskirchengemeinden müssen sich deshalb mit der Frage beschäftigen, wie ihre Gebäude künftig finanziert, genutzt und entwickelt werden können. Betroffen sind Gemeindezentren und Kirchen in verschiedenen Mainzer Stadtteilen: der Standort der Oberstadt-Gemeinde im Thomasbezirk, das Gemeindezentrum für den Paulusbezirk in der Innenstadt sowie die Gemeinderäume in Weisenau, Budenheim, der Frankenhöhe, der Mainzer Neustadt und im Münchfeld aber auch die Kirche in Laubenheim. Kindertagesstätten sind nicht betroffen.

Entwicklung vor Verkauf

In allen Stadtteilen hat die evangelische Kirche weitere Gebäude, so dass nirgendwo die Präsenz im Stadtteil aufgegeben wird. Zudem bedeutet die Einstufung nicht automatisch eine Aufgabe der Gebäude. Für die betroffenen Gemeinden bedeutet das: Sie müssen sich mit der Zukunft ihrer Gebäude auseinandersetzen. „Bevor man irgendwelche Schnellschüsse macht: Die Gebäude werden zunächst gehalten und es wird erst mal geschaut, wie sich ein Gebäude entwickeln und finanzieren lässt“, sagt Klodt, zum Beispiel durch eine veränderte Nutzung, Vermietung oder Verpachtung, die Schaffung von Wohnraum oder gegebenenfalls ein Ersatzneubau. Bereits in der Vergangenheit gab es dazu Projektstudien und Veranstaltungen zur Baukultur. Das Thema wird auch nicht nur die einzelnen Ortskirchengemeinden beschäftigen, sondern auch die neue Gesamtkirchengemeinde Mainz insgesamt.

Breit angelegter Beratungsprozess

Der nun vorliegende Vorschlag wurde in einem mehrstufigen Verfahren erarbeitet. Das Evangelische Dekanat Mainz und die EKHN-Kirchenverwaltung haben den Prozess strukturell und fachlich begleitet. In Workshops berieten benachbarte Kirchenvorstände über ihre Gebäude und mögliche Perspektiven. Für jedes Gebäude wurde ein Gebäudesteckbrief erstellt. Anschließend wurden verschiedene Varianten in den beteiligten Kirchenvorständen beraten. Aus den unterschiedlichen Vorschlägen entwickelte eine Arbeitsgruppe schließlich einen Gesamtvorschlag für das Evangelische Dekanat Mainz. In die Arbeitsgruppe waren Mitglieder von Kirchenvorständen, des Dekanatsvorstands und der Evangelischen Jugend einbezogen. „Das Ganze tut natürlich weh. Aber dieser Prozess kann auch als Startpunkt gesehen werden, um unseren Gebäudebestand weiterzudenken. Wir haben es jetzt in der Hand unsere Gemeindeorte attraktiv für vielfältiges kirchliches Leben zu gestalten, damit Kirche vor Ort bleiben kann", erklärt Anne Schaar, stellvertretende Vorsitzende des Dekanatssynodalvorstands, die den Prozess in der Arbeitsgruppe mitgestaltet hat.

 

Dekan Andreas Klodt

Interview mit Dekan Andreas Klodt, evangelisches Dekanat Mainz, zur Bildung der Mainzer Gesamtkirchengemeinde, Mainz, 7.5.2026

Der Weg zur Gesamtkirchengemeinde war kein einfacher. Wie erleichtert waren Sie, dass es geklappt hat?

„Die Beschlüsse waren keine Selbstläufer. Es mussten ja in allen Kirchenvorständen zwei Drittel der gesetzlichen Mitglieder zustimmen; dazu mussten wir auch erst einmal herausfinden, was „die Zahl der gesetzlichen Mitglieder“ bedeutet. Dass die Zustimmung dann so deutlich ausfiel, hat mich nicht nur erleichtert, sondern es war eine große Freude und Bestätigung: Die Kirchengemeinden wollen zusammengehören.“

Die Gesamtkirchengemeinde Mainz wird als Konstrukt einmalig sein in der EKHN. Warum dieser Sonderweg?

Ich würde mir und anderen wünschen, dass das „Mainzer Modell“ kein Sonderweg bleibt. In der EKHN sind wir ein noch Erprobungsmodell, aber vielleicht wird aus der Erprobung eines von mehreren Modellen für andere Regionen und Städte. Wir haben dieses Modell vorgeschlagen, weil wir es gegenüber den üblichen Formen Vielfalt und Einheit verbindet. Denn wir konnten es uns nur so vorstellen, dass bei aller Einheit die Mainzer (Orts-)Kirchengemeinden weiterhin mit einem gewählten Leitungsteam unterwegs sind. Und weil es auf Stadtebene neben einem Gesamtkirchenvorstand auch eine Gesamtkirchenversammlung braucht, in der breiter und öffentlich diskutiert wird. Diese Möglichkeiten der Mitwirkung sind „mainzigartig“.

Bis vor kurzem sollten sich die Gemeinden im Dekanat Mainz noch zu Nachbarschaftsräumen zusammenschließen – was war daran falsch?

Die Nachbarschaftsräume waren zwar nicht falsch, aber die Umsetzung von Vorgaben ohne Vision. Die vier Mainzer Nachbarschaftsräume erfüllten zwar die aktuell gültigen Vorgaben der Landeskirche – aber der Zusammenschluss von mehreren verschiedenen Stadtteilen war auch, wenn man sozialräumlich denkt, nicht der Weisheit letzter Schluss. Ein Zusammenschluss auf Stadtebene wird insgesamt positiver angenommen, denn er steht für das „evangelische Mainz“. Daneben ist der Veränderungsdruck derzeit so groß, dass die vier Nachbarschaftsräume mit ihren Aufgaben schnell an ihre Grenzen gekommen wären.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit dem Schritt zur Gesamtkirchengemeinde und welche Herausforderungen sehen Sie?

Ich hoffe, dass sich in der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Mainz wieder stärker eine Art protestantisches „Mainzgefühl“ einstellt: „Mainz wird eins“ ist mein Slogan dazu. So haben wir vor 224 Jahren, bei der Gemeindegründung im Jahr 1802, ja auch begonnen. Und bestimmte Aufgaben lassen sich besser miteinander lösen: Verwaltung und Umnutzung von Gebäuden, gemeinsamer Einsatz von Personal, zentrale Verwaltungsunterstützung für die Kirchenvorstände. Daneben beginnen wir auch, bestimmte inhaltliche Angebote dekanatsweit zu machen, zum Beispiel „einfach heiraten“ im vergangenen Jahr in der Lutherkirche in der Oberstadt; mit achtzig Segnungen für Paare lagen wir auch bundesweit mit an der Spitze. Gemeinsame Angebote im Team tun allen gut. – Die im Augenblick wichtigste Herausforderung besteht darin, eine Struktur für die Gesamtkirchengemeinde zu schaffen, die bereits ab dem 01.01.2027 arbeitsfähig ist.

Was ändert sich für die Kirchengemeinden mit der Gesamtkirchengemeinde? Welche Rolle wird die Gemeinde vor Ort in Zukunft haben?

Die Rolle der Gemeinde wird sich durch die Gesamtkirchengemeinde nicht wesentlich verändern, denn es gibt weiterhin einen gewählten Kirchenvorstand, der über die Arbeit vor Ort entscheidet und sein Budget verwaltet. Die Aufgabe für die Ortskirchengemeinden bleibt, Kirche für die Menschen im Stadtteil zu sein. Die wirklich einschneidenden Veränderungen kommen durch die gesamtkirchlichen Vorgaben der Landeskirche, die ihrerseits auf Veränderungen reagieren: Stellenkürzungen im Pfarrdienst und Aufgabe von kirchlichen Gebäuden. Das tut richtig weh.

Weniger Kirchenmitglieder, weniger Steuereinnahmen, weniger Pfarrpersonen, weniger Kirchengebäude, weniger Bindung – der Blick in die Zukunft der Kirche ist oft eine düsterer. Was setzen Sie dem Narrativ des Verlusts an Ressourcen und Bedeutung entgegen?

Wir werden in der Tat eine „kleinere“ Kirche, aber das schreckt mich nicht. Schließlich haben wir in Mainz im Jahr 1802 mit nur 700 Evangelischen angefangen. Diese 700 waren damals einfach froh, endlich miteinander Gottesdienst und vieles mehr feiern zu dürfen. Und sie haben sich mit ihrer „Armenkasse“ von Anfang an auch diakonisch engagiert. Ich hoffe sehr, dass wir mit den Angeboten auf Stadtebene und in den Ortskirchengemeinden auch in Zukunft Menschen binden können. Der Apostel Paulus wollte deshalb „allen alles werden“ (1. Korinther 9,22). Für uns in Mainz würde ich es so formulieren: Wir verkündigen und leben hoffentlich so, dass immer wieder Menschen sagen: Da bin ich gerne dabei.